Folge Auto im Test auf Facebook:

Porsche 996 Carrera Coupé im Gewand des 2006er 997 GT3 RS

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein waschechter GT3 RS der Baureihe 997. Auch auf den zweiten Blick mag so manch einer noch der Meinung sein, es handele sich hier um den besagten Sportwagen. Falsch gedacht!

Vor uns steht ein Fake- aber ein verdammt guter Fake, der bis auf einige, feine Details dem richtigen GT3 RS erschreckend nahe kommt. Dominik R. ist Karosseriebauunternehmer und hat mit seinem 1999er Porsche Carrera 2 Coupé der Baureihe 996 ein wahrhaftes Kunstwerk geschaffen. Während andere Umbauten sich lediglich auf den vorderen Teil des wagens beschränkten, hat sich Dominik R. zum Ziel gesetzt, eine größtmögliche Übereinstimmung mit dem Original zu erreichen. Er wollte einen Wagen schaffen, der auch jenseits der A-Säule noch wie sein Vorbild aussieht- und dies zu einem fairen Preis!

So baute er einige Porsche 996 um und verkaufte diese in einer exklusiven Kleinserie, damit sich die 60000 bis 70000 Euro Projektbudget gleichermaßen auf mehrere Kunden verteilen. Denn wenn der Auftraggeber diese Kosten für Entwicklungsarbeit hätte allein tragen müssen, hätte es sich für ihn bei einem 3,4-Liter-Carrera mit mehr als 100.000 km Laufleistung nicht gelohnt. Diese Kleinserie richtete sich insbesondere auch an Kunden aus Ländern wie Belgien und Holland, in denen es eine Luxussteuer gibt, die vom Kauf eines neuen Sportwagens abschrecken. Auf diese Weise können die Kunden für ca. 15.000 Euro einen um sieben Jahre vergüngten Supersportler kaufen. Gegenüber dem Original haben die Kunden so mehrere zehntausend Euro gespart, aber trotzdem einen vergleichbaren Auftritt erwirkt. Neidische Blicke von allen Seiten erntet der 996 Carrera in seinem neuen Outfit auf jeden Fall, soviel ist sicher.

Der Wagen sieht seinem Vorbild so verwechselnd ähnlich, dass sogar erfahrenste Porscheverkäufer zwei Mal hinsehen müssen um die Kopie als solche zu entlarven. Zum Beispiel kann ein geschultes Auge an der Armaturentafel sehen, dass diese nicht der 997 Baureihe, sondern der 996 Baureihe entspricht. Auch die Türgriffe stammen aus Zeiten des Porsche 996. Genauso das dritte Bremslicht- Details, die Laien auch auf den zweiten Blick nicht auffallen. Mit dem bloßen Auge nicht erkennbar ist der kürzere Radstand des 996, der bei dieser Kopie beibehalten wurde. Auf eine Leistungssteigerung wurde verzichtet, da so am vorgegebenen Bremsenstandard festgehalten werden konnte. Der 3.387 ccm große V6-Boxermotor mit 300 PS wurde zur Revision ins Porschezentrum gebracht, ansonsten aber nicht verändert. Die serienmäßige Abgasführung variierte Dominik R. auf eine Doppelrohr-Auspuffanlage. Die Radaufhängungen wurden korrigiert durch ein KW-Gewindefahrwerk der „Variante 3“ in einer Edelstahlausführung.

Auch auf das Interieur wurde viel Wert gelegt bei diesem Projekt, schließlich will man ja nicht nur nach außen hin wirken. Auch drinnen soll erstklassiges GT3 RS Feeling aufkommen. So wurde eine Alcantara-Komplettausstattung verbaut, Sportliche Profilschalensitze von Sparco, ein Raid-Volant mit Lenkkranz, ebenfalls aus Alcantara. Ein Wiechers-Überrollkäfig in der Außenfarbe „Orange 8C6“ soll Rennstreckentauglichkeit vermitteln. Hersteller Eisenmann fertigt den original-GT3 Überrollkäfig, welcher weiter verzweigt ist. Auch bei einem ausführlichen Rundumblick im Cockpit hat der Betrachter das Gefühl sich in einem originalen GT3 RS zu befinden, abgesehen von den Armaturentafeln. Damit dies so ist hat Dominik aber auch viel Mühe in dieses Projekt hineingesteckt. Nicht alle Komponenten waren so einfach durch die originalen austauschbar. Deshalb legte sich Dominik R. ein originales Fahrzeug zu und nahm dort die Maße ab. So zum Beispiel der speziell gefertigte Heckdeckel. Die Unterseite ist extra konzipiert worden, um den originalen Lüfter zu montieren.

Eine weitere große Hürde, die sich dem Vorhaben in den Weg stellte war die Tatsache, dass aufgrund der unterschiedlichen Fahrzeugbreiten kein 997-Stoßfänger zu den Kotflügeln der früheren Porsche Generationen passt. Für dieses Problem gab es nur eine Lösung: Es mussten spezielle Kotflügel gefertigt werden, die an den Übergängen zu den Seitenschwellerverkleidungen in der Konturen einliefen. Nur so konnten Originalschürzen verbaut werden. Doch damit nicht genug. Auch die Heckdeckel und Heckschürzen der beiden 911er Generationen unterscheiden sich komplett, so dass viel Formenbau und so mancher Kunstgriff gefragt war. Insbesondere die Heckteile der beiden 911er Modelle weichen sehr stark voneinander ab, sodass die Verwandlung dieses Teils besonders viel Mühe und Sorgfalt in Anspruch nahm. Dies ist auch ein Grund dafür, dass es 2005 so viele unvollständige Umbauten gab, die jenseits der A-Säule aufhörten.

All diese Mühe und der Aufwand für die vielen kleinen Details waren nötig, um den neuen GT3 RS so authentisch wie möglich aussehen zu lassen- und das ist wirklich gut gelungen, wie sich an folgender Geschichte zeigt: Als Dominik R. auf einer Tuning Messe vertreten war, musste er sich von anderen Teilnehmern sagen lassen, dass es doch keine Kunst sei ein Serienauto auszustellen. Dabei stellte er damals ausschließlich seine Umbauten aus, die offensichtlich damals schon zum Verwechseln ähnlich aussahen.

Unser Fazit:

Auch wenn dieser Umbau anhand einiger Erkennungsmerkmale wie den Türgriffen, Instrumenten und dem geringfügig kürzeren Radstand als Kopie entlarvt werden kann, ist hier trotzdem ein Meisterwerk geschaffen worden. Es sieht seinem Vorbild so ähnlich, dass mit deutlich geringerem finanziellem Aufwand ein vergleichbares Flair aufkommt und Außenstehende den Wagen für das Original halten. Hätten sie den Zauber um diesen Supersportler lösen können? Fakt ist, dass Dominiks kunstvoll umgebauter Porsche vorgibt ein mindestens sieben Jahre jüngerer, sportlicherer Nachfolger zu sein, der er nicht ist. Soviel ist sicher. So oder so wird kaum einer diese Verzauberung erkennen können.