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Die Dodge Viper SRT10 Convertible im Test in Miami

Wenn morgens der Wecker klingelt, hat die Laune bereits den Tiefpunkt erreicht, bevor der Tag überhaupt angefangen hat- wer kennt das nicht? Doch als heute früh der Wecker klingelt, springen Redakteur John und ich, wie von einer Schlange gebissen, aus dem Bett.

Wie von einer Schlange gebissen, das ist das Stichwort für den heutigen Tag, denn heute ist nicht irgendein Tag: Es ist mal wieder „Test day“, wie man hier zu Lande so sagt. Nach ein paar leckeren Cupcakes im Hotel geht es nach Downtown, wo Michael mit seinem hungrigen Biest zusammen wohnt. Wir haben es gerade mal 10 Uhr aber die Sonne lacht vom Himmel und die Wolken machen heute Urlaub- perfekte Voraussetzungen! Als wir bei Michael ankommen erwartet er uns schon mit einem sonnigen Lächeln im Gesicht. Nach kurzem Small-talk kommt Michael dann zum Thema: Es handelt sich um eine Dodge Viper SRT10 Convertible Bj. 2003, welche von Tuner „EMS Andre“ modifiziert und veredelt wurde. Schließlich ist es endlich soweit und er geleitet uns zur Garage- die Spannung steigt.

Exterieur und Design

Als sich das Garagentor langsam öffnet fällt mehr und mehr Sonnenlicht ins Innere des Schlangennestes und wir bekommen langsam die bissige Schnauze des Tiers zu sehen. Die Sonne glänzt auf den schwarzen Lackflächen der scheinbar endlos langen Motorhaube. Ich muss zugeben, ich hatte zwar durchaus hohe Erwartungen, was die Optik dieses Ami-Schlittens angeht, aber das was ich zu sehen bekam, übertraf meine kühnsten Träume. Steht man unmittelbar vor einer Viper SRT10, ist das definitiv etwas anderes, als wenn man sie nur auf Fotos sieht. Sie wirkt noch viel mächtiger als auf allen Bildern, die ich zuvor gesehen habe. Die Kombination aus schwarzem Hochglanzlack und matt weißer Folierung ist einfach der absolute Hingucker. Die Farben stehen der Bestie richtig gut, eine perfekte Kombination. Die Folierung hat er bei „Ernie’s Wraps“ in Miami machen lassen, berichtet uns Michael.

Die Frontscheinwerfer und die Heckleuchten wurden verdunkelt, da sie so optimal zur Lackierung passen. Die Motorhaube wurde ausgetauscht und durch eine Haube der 4. Viper Generation, die ab 2008 vom Band lief, ersetzt. Die eckigen Lufteinlassschlitze auf der Motorhaube wirken sehr markant und verleihen der Schlangen Biss. Auch die Wölbung durch den frontalen Lufteinlass, in der Mitte der Motorhaube, sieht sehr sportlich aggressiv aus. Der wuchtige, schwarze Kühlergrill wirkt wie ein großer, gefräßiger Schlund, der alles verschlingt das ihm in die Quere kommt. Zum Beispiel einen Porsche oder einen Ferrari, ersteren ißt die Viper nämlich zum Frühstück, letzteren zum Mittag. So heißt es hinten auf dem Kennzeichen: „Porsches for breakfast“ und „Ferraris for Lunch“- das ist mal eine Ansage!

Die Felgen hat Michael in Weston bei „Dip Works“ schwarz lackieren lassen. Dadurch, dass die Felgen nicht die gewöhnliche Aluminium Farbe haben, wirkt das Auto noch bedrohlicher. Alles an diesem Wagen ist entweder Hochglanzschwarz oder Mattweiß. Steht man davor, macht es den Eindruck als ob die Schlange eine Angriffsposition eingenommen hat und bereit ist zuzuschlagen. Sie kauert unmittelbar über dem Boden. Dies ist einer Tieferlegung bei „Eibach Springs and Caps“ zu verdanken, die Michael in 2009 hat durchführen lassen.

Interieur

Böse Zungen benutzen häufig den Spruch „von außen hui, von innen pfui“, wenn es um das Interieur amerikanischer Autos geht. Wir setzen uns frei von diesen Vorurteilen in die Kommandozentrale des Ungetüms und schauen uns um. Ein auffällig großer Bordcomputer sticht uns zunächst ins Auge. Dieser ist von der Firma Pioneer und wurde erst dieses Jahr eingebaut. Michael gibt zu, dass das natürlich nicht billig war, er jedoch sehr viel Wert auf ein modernes Multimediasystem legt. Es wurde also Zeit, dass er seinem Biest ein kleines Update in Sachen Infotainment spendiert. Intuitiv lässt sich hier Multimedia und ähnliches regeln. Das Lenkrad liegt gut in der Hand und die grundsätzliche Atmosphere im Cockpit passt zu dieser angriffslustigen Schlange. Auch die zum Lack passende, weiße Carbonfolierung der Mittelkonsole wirkt sehr sportlich und authentisch. Zu dem bösen Spruch: Vergleicht man die Viper mit Sportwagen aus der Liga, in der beispielsweise Aston Martin spielt, wird man vom Inneren der Viper SRT10 sicherlich enttäuscht sein. Hier ist alles sehr puristisch aufs Wesentlichste beschränkt: Die Armaturen sind nicht mit Leder überzogen. Hier blickt man auf das nackte Plastik. Auch gibt es hier nicht so viele Knöpfe, wie wir es aus deutschen Spitzenautos gewohnt sind. Wer sich daran stört und auf Prunk und Luxus besteht, wird an der Viper keinen Spaß haben, soviel steht fest.

Leistung und Technik

Die Viper SRT10 ist ganze 506 PS stark, hat einen Hubraum von 8,3 Litern und wird durch einen V10-Motor angetrieben. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen- V10- unfassbar. In Deutschland schrecken die Menschen schon vor einem Acht-, teilweise sogar vor einem Sechszylinder schon zurück. Solche Skepsis gegenüber Hubraummonstern kennt man hier in South Beach nicht. Die Viper verfügt über ein manuelles 6-Gang-Schaltgetriebe. Das max. Drehmoment beträgt 711 und wird bei 4200 Umdrehungen in der Minute bereitgestellt. Das Leergewicht beträgt 1563 kg.

Fahrerlebnis

Am meisten sind wir natürlich auf den Sound des Zehnzylinders gespannt. Und der lässt nicht lange auf sich warten. Schon beim Anlassen meldet sich dieser mit lautem Brüllen zu Wort. Dass man hier einen deutlichen Unterschied zu einem Achtzylinder hört muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnt werden. Alleinschon das Standgeräusch ist einzigartig. Nachdem wir mit offenem Verdeck einige Zeit durch Miami Beach kutschiert und den Ocean Drive mehrmals auf und ab gefahren sind, ist es Zeit für den Beschleunigungstest. Wir fahren zu der Adresse, die Michael uns gegeben hat. Auf einem riesigen Gelände, mit einer Start- und Landebahn für ein Flugzeug, dürfen wir unseren ausführlichen Test machen- Michael hat sehr nett Freunde.
Der Wagen steht, wir hören das tiefe Brummen des Motors, der darauf wartet los spurten zu dürfen. Dann tritt John das Gaspedal bis zum Anschlag runter, der V10 Motor, der ursprünglich aus einem Truck stammt, brüllt wütend aus den vollen tiefen seiner 8,3 Liter Hubraum los. Wie von einer anderen Schlange gebissen rast die Viper los. Der Motor ist so laut, dass wir das Gefühl haben die Luft draußen müsste zerreißen. John lässt die Kupplung fliegen und haut den nächsten Gang hinein. Nach 4,2 Sekunden knacken wir die 100er Marke. Die Viper liegt dabei wie ein Brett auf der Straße. Die Höchstgeschwindigkeit von 314 km/h erreichen wir leider nicht, da dafür die Bahn zu kurz ist, wir können allerdings trotzdem die unglaubliche Laufruhigheit bei hohen Geschwindigkeiten loben. Tempo 250 fühlt sich an wie Tempo 130 in einem „normalen“ Auto.

Kosten

Der Grundpreis betrug bei uns in Europa 115.000 Euro. Als Michael sich gegen Ende 2007 dieses Schmuckstück gekauft hat, hat er natürlich einen deutlich geringeren Preis dafür gezahlt. Allerdings stand von Anfang an fest, dass seine Schlange eine ganz besondere werden soll und einige Umbauarbeiten bevorstehen, die nicht billig werden. Was den Spritverbrauch angeht lacht Michael nur. Wenn er sich mit dem Literverbrauch seines Fahrzeugs beschäftigen müsste, würde er irgendwann verrückt werden. Für ihn gehört es zum Glücklich sein im Leben dazu, dass man eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen kann und nicht aus finanziellen Gründen darüber nachdenken muss, ob man das Gaspedal nun durchdrückt oder nicht. Michael ist stolz auf sein V10-Biest und denkt nicht im Traum daran, auf ein sparsameres Fortbewegungsmittel zurückzugreifen. Der Tank fasst 70 Liter, diese haben wir nach ca. 320 km verbraucht- aber dass ein 8,3 Liter Monster nicht gerade sparsam ist, wussten wir auch vorher.

Fazit

Nachdem nun fünf Jahre lang nach und nach immer weitere Modifikationen vorgenommen wurden, betrachtet Michael seine Bestie allerdings immer noch nicht als fertig. Als wir ihn daraufhin erstaunt angucken, fängt er an über Perfektion und eine kontinuierlichen Prozess der Verbesserung zu philosophieren. Michael ist nicht der Meinung, dass Perfektion ein Prozess ist, der irgendwann abgeschlossen ist, vielmehr ist es ein Kreislauf, bei dem ein Objekt ständig von einem kritischen Auge überprüft wird und immer wieder aufs Neue verbessert wird.

Wir meinen, dieses Auto ist ein einzigartiges Sportauto, welches mit kaum einem anderen Sportwagen zu vergleichen ist. Dieser enorm große Hubraum, diese 10 Zylinder und die geniale Optik machen diesen Wagen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Diese Schlange kann sich definitv mit Sportwagen der Extraklasse messen und übertrifft diese teilweise sogar noch, was den Sound und das allgemeine Feeling angeht. Aber das ist sicherlich Geschmackssache. Fakt ist: Wer einen unvergleichbaren Sportwagen sucht und keine Scheu vor hohem Verbrauch hat, ist hier goldrichtig.