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Kräftemessen: Mercedes E 400, BMW 535i und Audi A6 3.0

Dass Mercedes in der vergangenen Zeit Probleme hatte, es mit den großen Konkurrenten aufzunehmen ist kein Geheimnis. Die neue E-Klasse glänzt mit einem neuen Gesicht und neuen Extras- aber reicht das aus? Ein erster Vergleich des neuen Mercedes E 400 mit Audi A6 und BMW 535i wird diese Frage klären.

Diese Image-Probleme will Big Boss Dieter Zetsche wieder in den Griff kriegen. Das klare Ziel lautet: Bis 2020, so forderte der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, soll Mercedes wieder Premium-Marke Nummer eins werden. Die E-Klasse darf dabei gern den Auftakt machen. Den ersten Vergleich traut sich der E 400. Neuer Motor, sechs statt bisher acht Zylinder, 333 Pferde. Zu haben sein soll er ab 56.019 Euro. Die Gegner sind der Audi A6 3.0 TFSI Quattro (ab 52.450 Euro), 310 PS, und BMW 535i (ab 53.400 Euro), 306 PS – ebenfalls Sechszylinder.

Power, Komfort, Sicherheit sind Attribute, die wir von einer Oberklasse-Limousine erwarten

Selbst für unsere erfahrenen Testfahrer John Mahlmann und Nicklas Westphal ist es jedoch mittlerweile schwer, hier Unterschiede herauszufahren. Welcher Wagen federt eleganter über Unebenheiten, welcher beschleunigt den Bruchteil einer Sekunde schneller, welcher klebt sicherer auf der Straße? Hier braucht man extremes Fingerspitzengefühl, um diese Unterschiede zu spüren. Allerdings sind dies nicht die einzigen Dinge, die diese Wagen von einander unterscheiden. Der Charakter der Autos spielt auch eine große Rolle. So setzt der Mercedes auf Fahrspaß, lässt den Fahrer eine Spur direkter am Geschehen teilhaben. Sein V6 klingt aggressiver, agiler als die Motoren von BMW und Audi, die nur leise unter der Motorhaube brummeln. In ihrem Drang zur Perfektion haben vor allem Audi und BMW mittlerweile den Draht zum Fahrer durchtrennt und wirken dadurch teilweise aufgesetzt und syntetisch. Man will Blöße unter allen Umständen vermeiden.

Der BMW 5er hingegen ist mit dem Verstellfahrwerk nicht wirklich sportlich, sondern eher komfortabel

In der Stufe Comfort + des Verstellfahrwerks schaukelt er sogar ein wenig – sehr gemütlich. Und wer den Schalter auf Sport + stellt, merkt in erster Linie die Unebenheiten im Boden, weil das Fahrwerk verhärtet. Sportlicher wird der große, unübersichtliche Wagen dadurch jedoch nicht.
Ähnlich fühlt sich der Audi A6 an. Hier als Quattro, begibt er sich direkt in die Falle der Perfektion. Jeder fühlt sich auf Anhieb wohl. Er ist sicher auf der Fahrbahn, steckt Unebenheiten kaum merklich weg und wechselt die Gänge wie im Flug – fast so sanft wie die BMW-Achtstufenautomatik. Auch prunkvoller Luxus im A6 ist ein toller Punkt. Zum Beispiel der sanft aus dem Armaturenträger schwebenden Bildschirm. Trotz allem fehlt dem Audi A6 das Erlebnis von Fahrspaß- ein lebendiger Charakter den man spüren kann. Der Audi bleibt somit ebenso fehler- wie seelenlos.
Der 400er-Mercedes hingegen hat das schon deutlich mehr Ecken und Kanten. Der Motorsound, der kräftig und kernig aus dem Auspuff bollert, stört empfindliche Zeitgenossen vielleicht beim Musikhören. Die Siebenstufenautomatik wechselt unter Last die Gänge schon mal etwas zu ruppig.

Und die Optik wirkt teilweise zu künstlich, fast halbstark

Vor allem wenn der E 400, wie unser Testwagen, mit dem 1012 Euro teuren Sportpaket ausgestattet ist. Auch innen ist zuviel mit Chrom und Alu gearbeitet. Ganz nebenbei hält der 400er aber noch einen Draht zum Fahrer. Das verstellbare Airmatic-Fahrwerk federt ebenso perfekt wie bei Audi und BMW. Die Mercedes-Lenkung wirkt aber weniger gefiltert. Und wer es in Kurven mal etwas zu ungestüm angehen lässt, kann es noch spüren: Wo Audi und BMW wie am Schnürchen durchziehen, zuckt beim Mercedes kurz das Heck. Schön, er lebt noch.

Fazit

Bei Mercedes verzichtet man bewusst auf einen winzigen Schuss Perfektion, zugunsten des Fahrspaßes. Dass der Mercedes auch ganz anders kann, liegt an den neuen Assistenzsystemen. Die Distronic Plus ermöglicht teilautonomes Fahren im Stau – und damit ist Mercedes den Systemen in A6 und 535i einen Schritt vorraus. Somit ist Mercedes endlich wieder mit seinen Konkurrenten auf Augenhöhe anglangt. Bleibt abzuwarten, wie Audi und BMW darauf reagieren werden.