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Brachial und böse: Der 700 PS V12 Kampfstier

Der italienische Supersportwagen- Hersteller schlechthin, macht seinem Ruf alle Ehre und lässt sein Mittelmotor- Monster Angst und Schrecken auf den Straßen verbreiten. Der Flügeltürer überzeugt durch seine gefährliche Optik: Breit und tief lauert der Stier kampfbereit auf seinen 20 Zoll großen Pirelli Corsa.

Nachdem die Sicherheitshaube hochgeschoben und der Startknopf gedrückt wurde kommen die Anlasser Sirenen und die Zündung, bevor der Stier wütend aufschreit und seinen 6,5 Liter, 12 Zylinder Motor startet. Was von draußen so gefährlich aussieht, ist von innen für den Fahrer recht umgänglich. Deutlich zentriertere Sitze erlösen den Fahrer von seiner gekrümmten Fahrhaltung, die er noch im Murcielago hatte. Ein weit verstellbares Lenkrad sorgt für eine individuelle Anpassung. Farblich ist das Innere des  Aventador recht bunt gestaltet.

ISR- Getriebe statt Doppelkupplung – Der neue Aventador steht für ein emotionales Schaltgefühl

Die sieben Gänge lassen sich super über das automatisierte, manuelle ISR-Getriebe schalten. Beim ISR- Getriebe gibt es zwei unabhängige Schaltstangen statt nur einer. Dieses sorgt für einen sehr schnellen Gangwechsel, da Teile des Gangwechsels parallel erledigt werden. Auf ein Doppelkupplungsgetriebe verzichtet der Aventador also und setzt stattdessen auf emotionales Schaltgefühl und Getriebetradition.

Der Kampfstier startet durch- Die 100 Km/h Marke nach 3,1 Sekunden geknackt

Er brüllt, das Getriebe knallt und nach nur 3,1 Sekunden ist der Aventador aus dem Stand auf 100 Km/h gespurtet. 6,3 Sekunden später rast der Lamborghini mit 200 Sachen über den Asphalt. Nach insgesamt 24,8 Sekunden wird das Tempo 300 erreicht und  jenseits der 4.000er-Marke schlürft der V12-Sauger mit blechernen Obertönen.  Nach einem Gangwechsel saugt er die Luft ein, um sich sofort wieder in Richtung 8.000/min zu bewegen. Dieses Fahrvergnügen kostet zwischen 15 und 30 Litern Super Plus auf 100 km- nicht gerade wenig, aber schließlich sprechen wir hier über einen Kampfstier.

Gezähmt ist die Bestie auch allgemeinverträglich

Dass das ISR- Getriebe auch anders kann, beweist es uns im entspannten Strada Modus. Gangwechsel sind so kaum spürbar, der sonst so brüllende Motor schnorrt zufrieden vor sich hin. Trotz relaxter Fahrt, fährt es sich in der Stadt trotzdem nicht so entspannt. Der sperrige Aventador ist sehr unübersichtlich und extrem ungeeignet für stop-and-go Verkehr in der Innenstadt und erst Recht für Parkhäuser. Das Pushrod- Fahrwerk fühlt sich ohnehin viel wohler außerhalb der großen Ballungszentren- also raus auf die Landstraße.

Präzise Handhabung bei gewissem Kraftaufwand

Schnell ist die Präzision und das gute Ansprechverhalten spürbar, der Verzicht auf einen adaptiven Stoßdämpfer jedoch auch. Der Wagen ist zwar an Sportlichkeit nicht zu überbieten, Unebenheiten machen dem Fahrer jedoch ganz schön zu schaffen. Der Allradantrieb regelt per elektronisch gesteuerter Haldex-Kupplung die Traktion. Bis zu 60 Prozent des Drehmoments schiebt sie nach vorne beim Beschleunigen. In „Strada“ ist die Kupplung als leichtes Zerren in der Lenkung des Aventadors spürbar. Auch das ESP ist sehr ruckartig und hart. Im Sport- und im Corsa Modus ist der Eingriff des ESP angenehmer, auch bei der Lenkung wird etwas Servo weggenommen. Zwar wird eine gewisse Kraft des Fahrers vorausgesetzt um den Stier zu bändigen und in der Spur zu halten, dafür sorgt eine sehr direkte Lenkung jedoch für bestes Fahrgefühl. Dieses kommt dem Fahrer insbesondere zu gute wenn sich das Heck beim Gaswegnehmen kontrolliert mitdreht. Auf Wunsch kommt das Heck dann, beim erneuten Beschleunigen, aus der Deckung heraus.

Der Lamborghini Aventador hält also was bereits in der Marketing Campagne versprochen wurde: Brachiale Kräfte wirken so stark auf den Fahrer ein, dass man sich tatsächlich so fühlt als würde einem ein Projektil direkt durch den Kopf geschossen werden. Fahrspaß pur!