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Der Panamera S E-Hybrid im Test

Porsche bringt als erster Hersteller einen Plug-in-Hybriden in der Luxusklasse auf den Markt. Der Panamera soll sprinten wie ein echter Sportler und sparen wie ein Kleinwagen. Dieses Versprechen prüft die Auto im Test-Redaktion in einem ausführlichen Test.

Exterieur und Design

Porsche hat den Panamera mit dem jüngsten Facelift optisch fit für die nächsten Jahre gemacht. Die dezenten Änderungen stehen der Limousine ausgezeichnet, selbst das dicke Heck wirkt nun bekömmlicher. Die Frontpartie wird von den langen, schräg zulaufenden Scheinwerfern dominiert. Die dreigeteilten Lufteinlassschlitze geben dem Wagen ein markantes Gesicht. Die darüber angesiedelten, dünnen Nebelleuchten wirken sehr edel.

Interieur

Auch wenn er definitiv komfortabler ist als der klassische 911er- ein Raumwunder war der Panamera trotzdem noch nie. Im fein verarbeiteten Cockpit lässt es sich zwar selbst für große Fahrer bequem reisen, das flache Dach aber schränkt im Fond die Kopffreiheit stärker ein, als man es in dieser Klasse gewohnt ist. Blickt man auf die Bedienelemente sieht man zahlreiche, verstreute Schaltern und Knöpfe. Sie sind unübersichtlich angeordnet und nicht immer intuitiv zu erfassen. Wer im Panamera unterwegs ist sollte sich besser genau überlegen, was er mitnimmt. Denn der 9,4 Kilowattstunden große Akku lässt das Kofferraumvolumen auf 335 Liter schrumpfen. Das sind 110 Liter weniger als in einem Nicht-Hybrid Panamera.

Leistung und Technik

Der Panamera S e-Hybrid soll mit seinen 416 PS, in gerade mal 5,5 Sekunden von null auf 100 spurten, 270 km/h Spitze schaffen und trotzdem nur 3,1 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Klar, das ist ein Wert, der nur in der Theorie zu schaffen ist, weil er in einem speziellen Verbrauchszyklus für Plug-in-Hybriden ermittelt wird. Bei unserem Test stellte sich also die spannende Frage, wie viel Liter der e-Panamera tatsächlich unter normalen Fahrbedingungen braucht!

Dazu sind wir wie gewohnt durch Stadt und über Land gefahren und haben eine mäßig sportliche Fahrweise an den Tag gelegt. Den angegebenen Normverbrauch von 3,1 Litern haben wir nicht geschafft – dennoch kann sich der Panamera S E-Hybrid mit seinem durchschnittlichen Verbrauch von 7,8 Liter durchaus sehen lassen. Nachdem wir den Akku wie aufgeladen haben, sind wir die gleiche Strecke nochmal mit einer sparsamen Fahrweise gefahren. Dabei schaffte der Porsche 5,5 Liter pro 100 Kilometer – eine wirklich beeindruckende Leistung für eine 416 PS starke und rund 2,2 Tonnen schwere Limousine. Bei den Fahrleistungen hat Porsche nicht übertrieben. Den angegebenen Wert für den Sprint auf 100 km/h konnten wir sogar um eine Zehntelsekunde unterbieten. Der Panamera verfügt über eine nahezu perfekte Achtstufenautomatik.

Fahrerlebnis

Als wir zu Beginn unserer Testfahrt aus dem Wohngebiet fahren staunen wir nicht schlecht. Wir erwarteten, dass in gewöhnlicher Porsche-Manier der Panamera mit einem tiefen brummen seinen Weg auf die Hauptstraße suchen würde. Stattdessen wurden wir Zeuge, wie der E-Hybrid nahezu lautlos aus dem Wohngebiet rollt- ein ganz neues Porsche-Gefühl. Aber eines, das in die heutige Zeit passt. Auch beim Beschleunigen der Sechszylinder nicht auf- ganz anders als ein Hybride von Lexus. Als wir auf der Autobahn fahren merken wir ab 180 Kilometern in der Stunde ein weiterer Vorteil des Hybriden: Der Elektromotor unterstützt den Verbrenner spürbar, treibt ihn spielerisch auf Tacho 280. Wir haben selten so viel Spaß mit einer großen Limousine gehabt. Wir konnten uns bei unserer Testfahrt rund 30 Kilometer rein elektrisch bewegen. Dass der Panamera S E-Hybrid dennoch keine reines „Öko-Fahrzeug“ ist, zeigte uns die Stute auf der Auto im Test-Teststrecke.

Der Panamera S E-Hybrid ist anders als seine schwerfälligen Limousinen-Artgenossen. Er lenkt präzise ein, ohne nennenswerte Seitenneigung geht es selbst um schnell gefahrene Kurven. Bei ausgeschaltetem ESP lässt sich der Panamera dann fast wie ein Sportwagen mit dem Gaspedal lenken – auch wenn er wegen des schweren Akkus auf der Hinterachse nicht so gern driftet wie seine konventionell angetriebenen Brüder. Die Fahrwerkshärte hat Porsche bei seinem E-Panamera so angepasst, dass der Panamera im Alltag straff, aber keineswegs unkomfortabel ist, ein gelungener Kompromiss. Allerdings macht ihn die Breite vor allem auf Landstraßen unübersichtlich, das flache Heck und die breiten C-Säulen schränken den Blick nach hinten unnötig ein.

Kosten

Wer in den Genuss des geringen Sprit-Verbrauchs kommen will, muss allerdings bei der Anschaffung sehr tief in die Tasche greifen. Mindestens 110.409 Euro wollen nach Zuffenhausen überwiesen werden- richtig viel Geld. Allerdings ist der Plug-in-Hybrid trotz deutlich größeren Akkus nur drei Prozent teurer geworden als sein Vorgänger.

Fazit

Nach einem langen Testtag mit einem aufregend anderen Auto der Luxusklasse kommen wir einstimmig zu dem Fazit: Wenn schon Hybrid, dann so! Der Porsche schafft rund 30 Kilometer rein elektrisch und sorgt für Faszination mit einem bisher nicht erreichten Spagat zwischen niedrigem Verbrauch und Top-Fahrleistungen. Die Abstriche im Platzangebot aufgrund der großen Akkus sind hinzunehmen. Bleibt einzig der hohe Preis, der eine erhebliche Hürde für viele E-Mobil und Sportwagen –Fans sein wird. Unterm Strich eine Luxuslimousine, die sich dank Technik einen deutlichen Vorsprung zur Konkurrenz sichert.