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Testbericht: Der neue Porsche 991 im Test (911)

Porsche 911- ein Mythos, der seine ganz eigene Geschichte erzählt. Seit 1963 als der erste 911er auf der IAA vorgestellt wurde, sind 7 weitere Generationen erschienen. Seit Ende April wird nun die Cabrio Carrera S Version der Neuauflage von 2011 ausgeliefert und soviel können wir hier schon mal verraten, Porsche hat sich wieder einmal selbst übertroffen und setzt neue Maßstäbe im Sportwagensegment.

Das Topmodel beeindruckt durch seine heiße Optik

Als Redakteur John Mahlmann und ich vor dem braunen 991 stehen sehen wir, dass er seinem Vorgänger, dem 997, von vorne sehr ähnlich sieht. Die typischen Kotflügel beeindrucken den Betrachter und betonen gut die um 5,2 cm verbreiterte Spur. Tatsächlich haben die Stuttgarter die Neuauflage des 911ers dieses Mal jedoch so stark überarbeitet wie selten zuvor. Als wir um den Wagen herum gehen fällt uns der neue Spoiler auf. Anders als bei den Vorgängermodellen fährt beim 991 nicht mehr der gesamte Spoiler heraus, sondern nur noch der hinterste Teil. Der Teil mit den Lufteinlassschlitzen ist fest mit der Karosserie verbunden. Bei 120 km/h fährt er aus und bei 80 km/h fährt er wieder ein. Insgesamt ist der Spoiler breiter und sorgt so für eine bessere Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Als ich über das vermeintliche Stoffdach streiche, bemerke ich, dass dieses auffallend hart ist. Tatsächlich befindet sich unter dem Stoffüberzug ein Hardtop, welches aus vier Segmenten besteht. Sehr raffiniert an dieser Stelle zu „schummeln“, denn so erreicht der 991 zum ersten Mal die gleiche Silhouette, wie das Coupé. Die flache Dachlinie steht dem neuen Neunelfer sehr gut und lässt ihn schnittiger und auch aggressiver aussehen als die Cabrio Modelle des 997. Respekt an dieser Stelle für die Konstrukteure.

Sportliches Interieur auf dem nächsten Level- trotzdem in typischer Porsche Manier

Nach einigem Betrachten steigen wir ein und bewundern zunächst einmal das Innere des Wagens. Wir finden uns in einem sehr sportlichen Cockpit wieder, welches gleichzeitig mehr Komfort und mehr Features bietet als das des 997. Die nach hinten spitz zulaufende Mittelkonsole erinnert an ein Flugzeugcockpit. Das Armaturenbrett ist sehr übersichtlich und porschetypisch gestaltet. Alle üblichen Anzeigen sind vorhanden und darüber hinaus noch viele nette Extras. Zum Beispiel ist ein zusätzlicher kleiner Bildschirm vorhanden der in extrem hoher Auflösung eine Navi- Karte und weitere Funktionen bereitstellt- Sehr elegant! Auch hat Porsche eine Anzeige vorgesehen für Reifendruck, Fahrzeugdaten Öltemperatur und Stoppuhr. Ein interessantes neues Gimmick ist die G-Force Anzeige, über die grafisch dargestellt wird, welche G-Kräfte auf die Insassen wirken. Sehr faszinierend, natürlich gerade bei hoher Beschleunigung. In der Mitte des Cockpits befindet sich eine Uhr mit Sekundenzeiger- ein Teil des Sport-Chrono- Pakets, die es auch ermöglicht genaue Rundenzeiten auf einer Rennstrecke zu dokumentieren und im Bordcomputer zu speichern.

Der 991 ist außerdem mit einem sehr übersichtlichen Touchscreen Bordcomputer ausgestattet. Etwas negativ ist uns die Bluetooth Schnittstelle zwischen Handy und Mediasystem aufgefallen, die leider nicht immer einwandfrei funktionierte. Beim Versuch der erneuten Koppelung traten Probleme auf und wir konnten nicht ohne Komplikationen auf die Musikbibliothek des Iphons zugreifen. Auch gab es einmal Verbindungsschwierigkeiten beim Test der Freisprechanlage. Als wir alles wieder in Takt gebracht hatten erwies sich die Freisprechanlage dann aber als sehr gut. Unser Gesprächspartner konnte uns klar und deutlich verstehen. Das erstmals in Porsche 911 verbaute Burmeister- Soundsystem verspricht besseren Sound, als Vorgänger Bose. Ein gewagtes Versprechen, welches wir ebenfalls für euch testeten. Also rein mit der CD und die Boxen aufdrehen. Wir erlebten einen wirklich klaren Sound in allen Höhen und Tiefen. Auch bei einer hohen Lautstärke werden alle Bässe sehr gut wiedergegeben- so heizten wir mit dem besten Sound, den Porsche jemals geboten hat durch Hamburg. Dass sich dieses „der beste Sound“ bei einem Porsche nicht nur auf die Sound-Anlage bezieht muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnt werden.
Als wir die Sitze einstellen fällt uns auf, dass der vordere Teil der Sitzfläche individuell verstellbar ist. Auf den ersten Blick scheint der Sitz nach vorne hin gar nicht verstellbar zu sein. Dann merke ich, dass man über die elektronische Sitzverstellung an der Seite des Sitzes diesen Teil ausfahren kann und somit perfekt an die Körpergröße und Beinlänge anpassen kann.

Mit dem Supermodel oben ohne- um die Alster rum

Um den Wagen ein wenig einzufahren öffnen wir das Verdeck und genießen die Sonne, die auf unsere Köpfe scheint. Der Wagen ist so gut konzeptioniert, dass trotz einer stärkeren Briese die durch Hamburg weht, wir kaum etwas von diesem Wind spüren. Es ist einfach ein tolles Fahrgefühl: Die Sonne scheint uns ins Gesicht, der Wind weht nicht und die Burmeister Anlage versorgt unsere Ohren mit Klängen wie aus einer anderen Welt.

Leider war es das dann auch mit dem Cabriowetter, als es plötzlich anfing zu regnen. Doch auch das ist kein Problem für den neuen 911er. In Sekundenschnelle schließt sich das Verdeck auch während der Fahrt bei ca. 50 Km/h. Somit waren wir nicht gezwungen eine Vollbremsung hinzulegen um das edle Interieur zu schonen- super durchdacht von den Stuttgartern.

Vorbereitung für Test in den Grenzbereichen

Als Redakteur John den Motor anlässt heult der 400 PS starke 3,8 Liter große Boxermotor einmal kräftig auf. Ausgestattet ist der 991 neben dem normalen Fahrmodus mit zwei weiteren Fahrmodi: Sport und Sport Plus- getestet wurden für euch in erster Linie natürlich der Sport-, sowie der Sport Plus Modus. Nachdem wir den Wagen zunächst einmal vorsichtig eingefahren sind und das Öl auf eine gute Betriebstemperatur gebracht haben, müssen wir noch einige Einstellungen vornehmen um den Wagen in seinen Grenzbereichen zu testen. Zunächst einmal wird die Sport Plus Taste in der Mittekonsole gedrückt. Der manuell hinzuschaltbare Klappenauspuff aktiviert sich somit automatisch. Nun deaktivieren wir noch den Fahrwerkdämpfer für ein sportlicheres Fahrgefühl und fahren den Spoiler manuell heraus. Auch die Startstoppautomatik stellen wir natürlich aus. So weit, so gut. Nun fehlt nur noch eine Strecke, die dieser gashungrigen Stute würdig ist. Wir fahren also raus auf die Landstraße.

Ein Fahrgefühl wie nie zuvor- der 991 stellt den 997 in den Schatten

Als sich uns eine freie Strecke bietet prüfen wir die Leistung des 911er. Redakteur John latscht in das Gaspedal, wir werden in die Sitze gedrückt, die G-Force Anzeige spielt verrückt und der Wagen katapultiert uns in gerademal 4,3 Sekunden von 0 auf 100 was für ein Porsche mit Heckantrieb eine wirklich gute Zeit ist. Als wir nach nach knappen 14,2 Sekunden die 200er Marke knacken nimmt die Vernunft den Fuß vom Gas. Diese unglaubliche Beschleunigung ist auch dem 7 Gang PDK Getriebe zu verdanken, die für einen extrem effizienten Gangwechsel sorgt und den 991 beim Sprint keine Zeit verlieren lässt. Auch im Stadtverkehr sind dank PDK Getriebe und Sport Plus Modus sehr ruckartige Gas Stöße möglich, die einem ermöglichen die ein oder andere grüne Ampelphase noch zu erwischen. Ein insgesamt sehr aggressives Fahrverhalten zeichnet die Neuauflage des 911er aus. Bei entspannter Fahrweise ist der 991 Carrera S sehr comfortabel zu fahren Porsche hat hier definitiv einen enormen Sprung geschafft und lässt den 991 in einer ganz anderen Liga spielen als seine Vorgänger. Abstriche sind allerdings bei nasser Fahrbahn zu machen. Als wir Vollgas gaben, brach uns das Heck aufgrund des Heckantriebs aus und schleuderte. Es erforderte vollstes Fahrgeschick und ein stark eingreifendes ESP um den Wagen in der Spur zu halten. Diese Probleme hat man aber spätestens mit der Einführung des 991 4S nicht mehr.

Launch Control in der Hamburger Innenstadt- Ein unvergleichbares Sounderlebnis

Der Sound zählt für uns mit zu den Beeindruckenden Aspekten, die der neue 911er zu bieten hat. Beim runter schalten herrschen beim 991 schon fast Ferrari ähnliche Zustände. Als wir dann an der Alster an der Ampel stehen und die Grünphase erwarten, drückt John Gas und Bremse gleichzeitig. Was so manch einer unter dem Begriff Burnout kennt, bei Porsche hat das ganze System und heißt „Launch Control“ diese unterstütz den Fahrer für einen optimalen Start. Der Wagen erkennt was wir vorhaben und spielt voll mit. Ein unglaublicher Lärm der aus dem Motor unserer Stute klingt lässt die Passanten gucken und der 991 steht wieder einmal Mittelpunkt. Als die Ampel endlich auf Grün springt, lässt John die Bremse los und der Wagen scheint völlig auszurasten und springt mit einem unglaublich Röhren nach vorne und sprintet davon- eine wirklich beeindruckende Show.

Unser Fazit

Die Redaktion ist von diesem neuen Supersportler mit nie gekannten Comfort Eigentschaften der 911er Reihe zutiefst beeindruckt. Das Fahrgefühl, der Sound und auch die Extras haben nichts mehr mit dem 997 zu tun und um es noch einmal ganz klar zu sagen: Porsche hat hier wirklich ein Meisterwerk und einen Meilenstein im Sportwagenbau geschaffen. Was uns zum Schluss noch positiv überrascht hat: Trotz unser überaus sportlichen Fahrweise lag der Verbrauch noch bei gut 20 Litern auf 100 Km. Auch hier also eine Verbesserung zum Vorgänger. Insgesamt hat uns dieser Test natürlich sehr Spaß gemacht und wir sind gespannt auf die 4S Version des 991. Eigentlich möchte man meinen, dass es nicht möglich ist dieses Geschoss noch zu überbieten. Wir sind uns aber dennoch ziemlich sicher dass Porsche dies trotzdem schaffen wird und uns auf ein weiteres Mal beeindruckt.